Wochenspruch: Software für Bässe

Moderne Chöre verwenden Übedateien, d.h. Einspielungen im MIDI-Format, um einzelne Stimmen für sich oder im Gesamtklang anhören und mitsingen zu können. Eine Software zum Abspielen dieser Dateien ist SpeedyMidi: einzelne oder alle Stimmen können abgespielt, im Tempo variiert werden usw.

Frage aus dem Bass:

„Lässt sich das auch realistisch abspielen -alle Stimmen im korrekten Tempo, nur der Bass schleppt?“

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Wochenspruch: Bis!

Nach der Aufführung der Johannespassion folgen die üblichen Komplimente, Besprechungen, Lob, Dank Anmerkungen usw. Schließlich erhebt sich der Leiter des Orchesters:

Als Orchester erlebt man eine Menge Chöre und die ganze Bandbreite von – bis. Heute abend waren Sie eindeutig bis!

Sie auch, meine Damen und Herren!

Ode auf Bach

1
Bei Hiphop dreht Peter gleich weg und sucht Salsa,
Bei Salsa dreht Lisa gleich weiter zu House,
Hans liebt Operette, Annette liebt Walzer,
Sebastian liebt Rap und sagt: F** Johann Strauß.
Renate ruft, klar sei, daß Elvis der King sei,
Heinz-Heribert meint, daß der gar nicht sein Ding sei –
doch eine Musik, einen Musiker gibt es
da hört jeder hin, jeder strahlt, jeder liebt es,
drei Takte zehn Töne und jeder ist wach,
das ist Bach

2
Heut Weltstar, war Bach einst nicht reich. Heute käm er
schon fetter nach Hause, sagt Lars, durch die Gema.
Lars zeigt mir dann, weil er sein Iphone stets mit hat,
die Klingeltonsammlung, wo Bach manchen Hit hat:
Präludjum, Bourree, Don Giovanni, Toccata
und Fuge, Radetzkymarsch, Appassionata,
Peer Gynt, Kleine Nachtmusik, Cats, Für Elise.
Wer Kenner ist, kennt das, sagt Lars. Hör ich diese
Motive, dann weiß ich – ich bin ja vom Fach -:
das ist Bach!

3
Beliebt ist Bach ringsum, nur gibt´s einen Makel:
sein Leben bliebt makellos; ohne Spektakel
die Biografie, auch noch, wenn man ganz nah sie
beschaut: Bach war Ossi, doch war er nie Stasi.
Mit Rosenkrieg war nix, mit Drogenexzeß nix,
mit Pornodrehs nix, mit der Waffen-SS nix.
Als ich mal Bachs Leben als Kinofilm plante,
da kam´s, daß ich klar schon die Kritiken ahnte:
vom Soundtrack her gut, von der Action her schwach –
das ist Bach.

4
Du sagst, Bach war Tüftler und Guru, er hatte
ein Faible und für Magisches, Mystik und Mathe.
Bach selbst fand, daß das, was er mach, schlicht Musik sei.
Und auch bei Kollegen galt nicht, daß er´n Freak sei.
Nur flüstert´man: Bach kurvt den Tonkreis behende
und mühlos auf-ab bis ins hinterste Ende,
zum Greuel den alten Musiklehrepäpsten.
Die rümpften die Ohren: “Wir hören, da gäb´s den,
der Reinheit der Quint und der Terz frank verlach´ –
das ist Bach!“

5
Bach pflegte Kontakte, er lernte, er lehrte,
er wurd von Kollegen verehrt und verehrte.
Das Wirken der Großen von jenseits des Rheines
wie jenseits der Alpen durchwirkt dann auch seines.
Und zweimal, mit Sechzehn, mit Achtzehn, da reist er
nach Hamburg, nach Lübeck, hört norddeutsche Meister.
Doch einer allein stand an vorderster Stelle,
den einzig nennt Bach als entscheidende Quelle:
Allein nur auf Gott gestellt hab ich mein Sach!
Das ist Bach.

6
Da staun ich, sagt Günter, denn sonst ist´s bei Promis
nicht unbedingt üblich, daß einer so fromm is!
Er selbst haßt die Kirche, besonders ihr Läuten,
denn Sonntag will Tiefschlaf bis mittags bedeuten.
Nur – Günthers Passion sind die Bachschen Passionen.
Für die, sagt er, kann selbst der Kirchgang sich lohnen.
Er sagt: ne Passion, dafür kann man mal leiden.
Der einz´ge, der´s schafft, und ich kann´s nicht vermeiden,
der´s bringt und bringt mich unters kirchliche Dach,
das ist Bach.

7
Erlebt hat´s Bach nicht, daß ihn Weltruhm verwöhne.
Gefeiert bei Lebzeiten schon war´n Bachs Söhne.
s galt nun, daß man Stil der Empfindsamkeit lobe.
Der Alte? Der galt jetzt als Mann mehr fürs Grobe.
Ja, Philipp Emmanuel ward zum Idole!
Wer Kenner war, reiste zur Elbmetropole
und hörte den Meister auf allen Klavieren
intim-inspiriert, wie´s das hieß: fantasieren.
Ein Fachmann schrieb: Baff bin ich, platt, ich lieg flach.
Das ist Bach!

8
Heut ehrt man den Vater, man trägt ihn zu Markte.
Im Zelt, das man just auf dem Festplatz hier parkte,
gastiert ein Ensemble, das hat zu Bachs Suiten
ein üppiges lautes Spektakel zu bieten.
s gibt Lasershow, Körperbemalung und Tänze –
obszön ist es nicht, doch bisweiln an der Grenze.
und ich soll da mittun. Ich bin mir nicht schlüssig.
Ich frag meinen Chorleiter, der sagt, das müß ich
strikt ablehnen: „Machst du da mit, kriegst du Krach!
Das ist Bach!“

9
Ich trag mich nach Hause mit schlechtem Gewissen,
im Schlaf dann besucht mich ein Traum auf dem Kissen:
Da trifft sich ein Ausschuß zu ernstem Dispute,
es geht um die Kunst und speziell um die gute.
Und schau, just die Feinern und Weisern beschränken
die Freiheit durch Regeln und tragen Bedenken.
Und ich, was will ich sein? Doch auch so ein Feiner!
Schon steht mein Entschluß. Aber da – da tritt einer
direkt auf mich zu, sagt: Komm, zweifel nicht. Mach!
Das ist Bach.

Martin Betz

– mit freundlicher Genehmigung des Autors –